Gedichte Freundschaft


Gedichte - Freundschaft

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Thema Freundschaft für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

Von der Freundschaft

Eurer Freund ist die Antwort auf eure Nöte.
Er ist das Feld, das ihr mit Liebe besät und
mit Dankbarkeit erntet.
Und er ist euer Tisch und euer Herd.
Denn ihr kommt zu ihm mit eurem Hunger,
und ihr sucht euren Frieden bei ihm.
Wenn euer Freund frei heraus spricht,
fürchtet ihr weder das "Nein" in euren Gedanken,
noch haltet ihr mit dem "Ja" zurück.
Und wenn er schweigt, hört euer Herz nicht auf,
dem seinen zu lauschen;
Denn in der Freundschaft werden alle Gedanken,
alle Wünsche, alle Erwartungen ohne Worte geboren
und geteilt, mit Freude, die keinen Beifall braucht.

Khalil Gibran

 

 

 

 

Die Bürgschaft

Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich
Damon, den Dolch im Gewande:
Ihn schlugen die Häscher in Bande,
"Was wolltest du mit dem Dolche? sprich!"
Entgegnet ihm finster der Wüterich.
"Die Stadt vom Tyrannen befreien!"
"Das sollst du am Kreuze bereuen."

"Ich bin", spricht jener, "zu sterben bereit
Und bitte nicht um mein Leben:
Doch willst du Gnade mir geben,
Ich flehe dich um drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
Ich lasse den Freund dir als Bürgen,
Ihn magst du, entrinn' ich, erwürgen."

Da lächelt der König mit arger List
Und spricht nach kurzem Bedenken:
"Drei Tage will ich dir schenken;
Doch wisse, wenn sie verstrichen, die Frist,
Eh' du zurück mir gegeben bist,
So muß er statt deiner erblassen,
Doch dir ist die Strafe erlassen."

Und er kommt zum Freunde: "Der König gebeut,
Daß ich am Kreuz mit dem Leben
Bezahle das frevelnde Streben.
Doch will er mir gönnen drei Tage Zeit,
Bis ich die Schwester dem Gatten gefreit;
So bleib du dem König zum Pfande,
Bis ich komme zu lösen die Bande."

Und schweigend umarmt ihn der treue Freund
Und liefert sich aus dem Tyrannen;
Der andere ziehet von dannen.
Und ehe das dritte Morgenrot scheint,
Hat er schnell mit dem Gatten die Schwester vereint,
Eilt heim mit sorgender Seele,
Damit er die Frist nicht verfehle.

Da gießt unendlicher Regen herab,
Von den Bergen stürzen die Quellen,
Und die Bäche, die Ströme schwellen.
Und er kommt ans Ufer mit wanderndem Stab,
Da reißet die Brücke der Strudel herab,
Und donnernd sprengen die Wogen
Dem Gewölbes krachenden Bogen.

Und trostlos irrt er an Ufers Rand:
Wie weit er auch spähet und blicket
Und die Stimme, die rufende, schicket.
Da stößet kein Nachen vom sichern Strand,
Der ihn setze an das gewünschte Land,
Kein Schiffer lenket die Fähre,
Und der wilde Strom wird zum Meere.

Da sinkt er ans Ufer und weint und fleht,
Die Hände zum Zeus erhoben:
"O hemme des Stromes Toben!
Es eilen die Stunden, im Mittag steht
Die Sonne, und wenn sie niedergeht
Und ich kann die Stadt nicht erreichen,
So muß der Freund mir erbleichen."

Doch wachsend erneut sich des Stromes Wut,
Und Welle auf Welle zerrinnet,
Und Stunde an Stunde ertrinnet.
Da treibt ihn die Angst, da faßt er sich Mut
Und wirft sich hinein in die brausende Flut
Und teilt mit gewaltigen Armen
Den Strom, und ein Gott hat Erbarmen.

Und gewinnt das Ufer und eilet fort
Und danket dem rettenden Gotte;
Da stürzet die raubende Rotte
Hervor aus des Waldes nächtlichem Ort,
Den Pfad ihm sperrend, und schnaubert Mord
Und hemmet des Wanderers Eile
Mit drohend geschwungener Keule.

"Was wollt ihr?" ruft er vor Schrecken bleich,
"Ich habe nichts als mein Leben,
Das muß ich dem Könige geben!"
Und entreißt die Keule dem nächsten gleich:
"Um des Freundes willen erbarmet euch!"
Und drei mit gewaltigen Streichen
Erlegt er, die andern entweichen.

Und die Sonne versendet glühenden Brand,
Und von der unendlichen Mühe
Ermattet sinken die Kniee.
"O hast du mich gnädig aus Räubershand,
Aus dem Strom mich gerettet ans heilige Land,
Und soll hier verschmachtend verderben,
Und der Freund mir, der liebende, sterben!"

Und horch! da sprudelt es silberhell,
Ganz nahe, wie rieselndes Rauschen,
Und stille hält er, zu lauschen;
Und sieh, aus dem Felsen, geschwätzig, schnell,
Springt murmelnd hervor ein lebendiger Quell,
Und freudig bückt er sich nieder
Und erfrischet die brennenden Glieder.

Und die Sonne blickt durch der Zweige Grün
Und malt auf den glänzenden Matten
Der Bäume gigantische Schatten;
Und zwei Wanderer sieht er die Straße ziehn,
Will eilenden Laufes vorüber fliehn,
Da hört er die Worte sie sagen:
"Jetzt wird er ans Kreuz geschlagen."

Und die Angst beflügelt den eilenden Fuß,
Ihn jagen der Sorge Qualen;
Da schimmern in Abendrots Strahlen
Von ferne die Zinnen von Syrakus,
Und entgegen kommt ihm Philostratus,
Des Hauses redlicher Hüter,
Der erkennet entsetzt den Gebieter:

"Zurück! du rettest den Freund nicht mehr,
So rette das eigene Leben!
Den Tod erleidet er eben.
Von Stunde zu Stunde gewartet' er
Mit hoffender Seele der Wiederkehr,
Ihm konnte den mutigen Glauben
Der Hohn des Tyrannen nicht rauben."

"Und ist es zu spät, und kann ich ihm nicht,
Ein Retter, willkommen erscheinen,
So soll mich der Tod ihm vereinen.
Des rühme der blut'ge Tyrann sich nicht,
Daß der Freund dem Freunde gebrochen die Pflicht,
Er schlachte der Opfer zweie
Und glaube an Liebe und Treue!"

Und die Sonne geht unter, da steht er am Tor,
Und sieht das Kreuz schon erhöhet,
Das die Menge gaffend umstehet;
An dem Seile schon zieht man den Freund empor,
Da zertrennt er gewaltig den dichten Chor:
"Mich, Henker", ruft er, "erwürget!
Da bin ich, für den er gebürget!"

Und Erstaunen ergreifet das Volk umher,
In den Armen liegen sich beide
Und weinen vor Schmerzen und Freude.
Da sieht man kein Augen tränenleer,
Und zum Könige bringt man die Wundermär';
Der fühlt ein menschliches Rühren,
Läßt schnell vor den Thron sie führen,

Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: "Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn -
So nehmet auch mich zum Genossen an:
Ich sei, gewährt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!"

Johann Christoph Friedrich von Schiller

 

 

 

Gib treulich mir die Hände,
sei Bruder mir und wende
den Blick vor deinem Ende
nicht wieder weg von mir.

Ein Tempel, wo wir knien,
ein Ort, wohin wir ziehn,
ein Glück, für das wir glühn,
ein Himmel mir und dir!

Novalis

 

 

 

Die Philister, die Beschränkten,
diese geistig Eingeengten
darfst Du nie und nimmer necken.
Aber weite, kluge Herzen
wissen stets in unsren Scherzen
Lieb und Freundschaft zu entdecken.

Heinrich Heine

 


Der gute Kamerad

Ich hatt' einen Kameraden,
Einen bessern find'st du nit.
Die Trommel schlug zum Streite,
Er ging an meiner Seite
In gleichem Schritt und Tritt.

Eine Kugel kam geflogen,
Gilt sie mir oder gilt sie dir?
Ihn hat sie weggerissen,
Er liegt mir vor den Füßen,
Als wär's ein Stück von mir.

Will mir die Hand noch reichen,
Derweil ich eben lad.
Kann dir die Hand nicht geben,
Bleib du im ew'gen Leben
Mein guter Kamerad!

Ludwig Uhland

 

 

 

Der wahre Freund

Der ist mein Freund, der mir stets des Spiegel zeigt,
den kleinsten Flecken nicht verschweigt,
mich freundlich warnt, mich ernstlich schilt,
wenn ich nicht meine Pflicht erfüllt'.
Das ist mein Freund – so wenig wie er's scheint!
Doch der, der mich stets schmeichelnd preist,
mir alles lobt, nie was verweist,
zu Fehlern mir die Hände beut,
und mir vergibt, eh' ich bereut
– das ist mein Feind –
so freundlich er auch scheint!"

Christian Fürchtegott Gellert

 


Möge es immer Arbeit geben für Deine Hände
Mögen in Deiner Geldtasche immer eine Münze sein oder zwei
Möge die Sonne immer in Dein Fenster scheinen
Möge stets ein Regenbogen jedem Regen folgen
Möge die Hand eines Freundes immer in Deiner Nähe sein
Möge Gott dein Herz mit Fröhlichkeit füllen und Dich froh sein lassen.

Altirischer Segenswunsch

 

 

Der Postillion

Lieblich war die Maiennacht,
Silberwölklein flogen,
Ob der holden Frühlingspracht
Freudig hingezogen.

Schlummernd lagen Wies und Hain,
Jeder Pfad verlassen;
Niemand als der Mondenschein
Wachte auf der Straßen.

Leise nur das Lüftchen sprach,
Und es zog gelinder
Durch das stille Schlafgemach
All der Frühlingskinder.

Heimlich nur das Bächlein schlich,
Denn der Blüten Träume
Dufteten gar wonniglich
Durch die stillen Räume.

Rauher war mein Postillion,
Ließ die Geißel knallen,
Über Berg und Tal davon
Frisch sein Horn erschallen.

Und von flinken Rossen vier
Scholl der Hufe Schlagen,
Die durchs blühende Revier
Trabten mit Behagen.

Wald und Flur im schnellen Zug
Kaum gegrüßt - gemieden;
Und vorbei, wie Traumesflug,
Schwand der Dörfer Frieden.

Mitten in dem Maienglück
Lag ein Kirchhof innen,
Der den raschen Wanderblick
Hielt zu ernstem Sinnen.

Hingelehnt an Bergesrand
War die bleiche Mauer,
Und das Kreuzbild Gottes stand
Hoch, in stummer Trauer.

Schwager ritt auf seiner Bahn
Stiller jetzt und trüber;
Und die Rosse hielt er an,
Sah zum Kreuz hinüber:

"Halten muß hier Roß und Rad,
Mags euch nicht gefährden:
Drüben liegt mein Kamerad
In der kühlen Erden!

Ein gar herzlieber Gesell!
Herr, 's ist ewig schade!
Keiner blies das Horn so hell
Wie mein Kamerade!

Hier ich immer halten muß,
Dem dort unterm Rasen
Zum getreuen Brudergruß
Sein Leiblied zu blasen!"

Und dem Kirchhof sandt er zu
Frohe Wandersänge,
Daß es in die Grabesruh
Seinem Bruder dränge.

Und des Hornes heller Ton
Klang vom Berge wieder,
Ob der tote Postillion
Stimmt' in seine Lieder. -

Weiter gings durch Feld und Hag
Mit verhängtem Zügel;
Lang mir noch im Ohre lag
Jener Klang vom Hügel.

Nikolaus Lenau

 

 

 

Die Freundschaft ist die heiligste der Gaben,
Nichts Heilger’s konn’t uns ein Gott verleihn.
Sie würzt die Freud’ und mildert jede Pein,
und einen Freund kann jeder haben,
der selbst versteht, ein Freund zu sein.

Christoph August Tiedge

 

 


Hast du einen Freund,
dem du fest vertraust,
geh oft, ihn aufzusuchen!
Denn Gesträuch wächst
und starkes Gras
auf dem Weg,
den kein Wandrer geht.

Edda

 


Ein Freund

Reden –
und die Gewißheit haben,
daß einer da ist,
der nicht nur hinhört,
sondern zuhört.

Schweigen –
und die Gewißheit haben,
daß einer da ist,
der auch die
Stille ertragen kann.

Weinen –
und die Gewißheit haben,
das einer da ist,
der nicht nur abwartet,
sondern wartet.

Lachen –
und die Gewißheit haben,
daß einer da ist,
der nicht nur auslacht,
sondern mitlacht.

Unbekannt

 

 

Wenn es einen Menschen gibt,
der dich nimmt wie du bist,
und immer zärtlich zu dir ist,
den kein anderes Denken stört
und auch gerne deine Meinung hört,
der dich achtet und versteht
und alle Wege mit dir geht,
der ohne Lügen oder List
stets aufrichtig und ehrlich zu dir ist,
der auf das Gute in dir baut
und dir grenzenlos vertraut,
der mit seinem Kummer zu dir eilt
und deine Sorgen mit dir teilt,
bist du mal traurig und verstimmt,
der dich dann in seine Arme nimmt,
der sich aufs Wiedersehen freut
und dich zu lieben nie bereut,
der ist ein wahrer Freund für dich,
drum lasse ihn auch nie im Stich!

Unbekannt

 

 

Schweigen
umgibt alles gemeinsame Handeln
und alles Zusammenleben
Freundschaft braucht keine
Worte
Sie ist die Einsamkeit
die von der Furcht vor der
Einsamkeit
befreit ist.

Unbekannt

 

 

Ein Freund …

A – kzeptiert Dich so wie Du bist,
B – ringt Dich zum Lachen,
C,D – enkt nie schlecht über Dich,
E – rklärt Dir Dinge, die Du nicht verstehst,
F – reut sich mit Dir,
G – laubt an Dich,
H – ilft Dir, wenn Du nicht mehr weiter weißt,
I – st immer an Deiner Seite,
J – agt Dir keine Angst ein,
K – lagt nie über Dich,
L – iebt Dich so wie Du bist,
M – eint es stets gut mit Dir,
N – immt Dich auch mal in den Arm,
O – rdnet Dein Leben manchmal wieder richtig,
P – aßt auf Dich auf,
Q – uält Dich nicht mit bösen Dingen,
R – ichtet Dich wieder auf,
S – ieht, wenn Du traurig bist,
T – röstet Dich,
U – rteilt nicht über Dich,
V – vergißt Deine Fehler und Schwächen,
W – weint auch mit Dir,
X – dem Du nicht
X – beliebig bist
Y – ?
Z – ieht mit Dir durchs ganze Leben!

 

 

Unbekannt

Ein Freund ist jemand,
dem man den ganzen
Inhalt des Herzens reichen
kann, weil man weiß,
daß er ihn mit zärtlicher
Hand annehmen und
sichten wird. Er wird
behalten, was
behaltenswert ist und den
Rest mit einem sanften
Atemzug davonpusten.

Unbekannt

 

 

Zwei Freunde gehen Hand in Hand
und nehmen Abschied still.
Sie ziehen fort ins ferne Land,
wie es das Schicksal will.
Der eine hier, der andere dort,
sie ziehen beide traurig fort.
Und beide denken als sie geh‘n
"Wer weiß, ob wir uns wieder seh'n!".

Unbekannt

 

 

 

Heimliche Liebe

Ich hab es gewollt.
Du auch.
Was nicht sein darf.

Jetzt sind wir Verbündete.
Also vorsichtig.
Und scharf.

Wir suchen uns nicht.
wir lassen uns leben.
Ein friedliches Märchen?

Du hast es gewollt.
Ich auch.
Wir sind alles andere.
Nur kein Pärchen

Es ist wie es ist.
Gekommen.
Gegangen.
Geblieben.

Wir haben's halt einfach
gewollt.

Uns einmal
unheimlich
lieben.

Unbekannt

 

 

Ich brauch, daß mein Haus gedeiht:
Eine Frau, vergnügt und gescheit,
Eine Katz, die auf Büchern sich rollte.
Und Freunde zu jeder Zeit,
Ohne die ich nicht leben wollte.

Guillaume Apollinaire

 


Einem Freund kann man alles sagen.
Ein Freund weiß, wie es einem zumute ist.
Ein Freund geht ehrlich mit einem um.
Ein Freund holt einen wieder auf den Boden
wenn man abgehoben hat.
Ein Freund ist da, wenn man ihn braucht.
Ein Freund will keinen Dank für seine Hilfe.
Ein Freund ist der, auf den Verlaß ist.

Nachruf

 

 

An Edom!

Ein Jahrtausend schon und länger
Dulden wir uns brüderlich;
Du, du duldest, daß ich atme,
Daß du rasest, dulde ich.

Manchmal nur, in dunklen Zeiten,
Ward dir wunderlich zumut,
Und die liebefrommen Tätzchen
Färbtest du mit meinem Blut.

Jetzt wird unsre Freundschaft fester,
Und noch täglich nimmt sie zu;
Denn ich selbst begann zu rasen,
Und ich werde fast wie du!

Heinrich Heine

 

Erzähler und Romancier

Wir gönnen jedem Glücklichen
des Reichtums goldnen Fund;
er sei nicht stolz, noch poch er drauf,
das Glück geht unter und geht auf.
Sein Fußgestell ist rund.
Der Redliche, mit dem das Glück
stiefmütterlich es meint,
der seinem Schiffbruch kaum entschwimmt,
und nackend ans Gestade klimmt,
der finde einen Freund!

Samuel Gottlieb Bürde

 

 

Ich wünsch mir einen treuen Freund,
der meinen Schmerz vertreibt,
der mir nie schmeichelt, niemals lügt
und immer standhaft bleibt.
Der, wenn ich irre, mich ermahnt,
der meine Seele kennt;
und der, genauso wie ich ihn,
auch einen Freund mich nennt.

John Adams

 

 

Freundschaft heißt einander vertrauen
Dessen wissend verschließt du dich mir
Wie ein schweres Stadttor des Nachts
Hältst zurück was dich bedrückt
Als wär ich dir fremd

 

Weheschrei

Ich kann nicht mehr! Kann nicht mehr ringen
Mit mir, mit Schicksal, Gott und Welt.
Dies totgequälte Herz will springen:
Zu stark die Sturmflut, die es schwellt.
O hätt' ich einen Freund! nur einen!
Er sollte mir ja helfen nicht:
Möcht' nur an einem Herzen weinen
Noch einmal, eh' das meine bricht.

Felix Dahn

 


Uhlands Tod

Zu Tübingen am Neckar,
da steht ein stilles Haus,
da trat beim Sternenlichte,
den Hut tief im Gesichte,
ein bleicher Mann heraus.
Wer weiß, daß du verstummtest?
Dies Haus und ich allein!
Doch morgen wird man trauern
von Memels alten Mauern
bis an den Wasichenstein.
Da schallte von der Brücke
der Burschen strammer Tritt;
sie huben an zu singen,
manch Fräulein von Tübingen
sang in Gedanken mit.
»Ich hatt' einen Kameraden!«
das klang so frisch und voll:
der Bleiche horchte lange,
bis brennend auf die Wange
ihm eine Träne quoll.
»Und ob im Todeskampfe
das deutsche Herz dir brach:
dein Geist wird um uns schweben,
denn deine Lieder leben
bis an den jüngsten Tag.«
Der Mond, der schien so helle,
der aus den Wolken trat,
im Neckar sang es leise,
und fern verklang die Weise:
»Mein guter Kamerad.«

Friedrich Wilhelm Weber

 

 


Stammbuchvers
(1)

Wenn man sich einander kennet
Und sich Freund und Freundin nennet,
Reißt des Schicksals Donnerwort
Uns aus unsern Armen fort.

Doch, obschon dies zu beklagen,
Muß man nicht sogleich verzagen,
Denn der Freundschaft lange Hand
Reicht bis durch den Zollverband.

Wilhelm Busch

 

 

Wie der Schatten früh am Morgen
Ist die Freundschaft mit dem Bösen;
Stund' auf Stunde nimmt sie ab.

Freundschaft mit dem Guten
Wachset wie der Abendschatten,
Bis des Lebens Sonne sinkt.

Johann Gottfried von Herder

 


Wandelt Freundschaft sich in Liebe,
Gute Nacht dann Seelenfrieden;
Jedem Tag ist Qual beschieden,
Wandelt Freundschaft sich in Liebe.

Die Gefahr, die solche Triebe
Droh'n sei stets von euch gemieden:
Gute Nacht dem Seelenfrieden,
Wandelt Freundschaft sich in Liebe.

Wandelt Freundschaft sich in Liebe,
Gute Nacht dann Lust und Leben,
Träge wird es euch entschweben,
Wandelt sich Freundschaft in Liebe.

Ohne Freundschaft, ohne Liebe
Fehlt die Krone jedem Streben;
Nicht der Mühe lohnt's zu leben
Ohne Freundschaft ohne Liebe.

Darum nährt die zarten Triebe,
Ihnen weiht das ganze Leben;
Fehlt der Kranz doch jedem Streben
Ohne Freundschaft, ohne Liebe.

Aus Spanien

 


Den Freunden

Des Menschen Tage sind verflochten,
die schönsten Güter angefochten,
es trübt sich auch der frei'ste Blick;
du wandelst einsam und verdrossen,
der Tag verschwindet ungenossen
in abgesonderten Geschick.

Wenn Freundesantlitz dir begegnet,
so bist du gleich befreit, gesegnet,
gemeinsam freust du dich der Tat.
Ein Zweiter kommt, sich anzuschließen,
mitwirken will er, mitgenießen;
verdreifacht so sich Kraft und Rat.

Von äußerm Drang unangefochten,
bleibt, Freunde, so in eins verflochten,
dem Tag gönnet heitern Blick!
Das Beste schaffet unverdrossen;
Wohlwollen unsrer Zeitgenossen,
das bleibt zuletzt erprobtes Glück.

Johann Wolfgang von Goethe

 


Es saßen einstens beieinand
zwei Knaben, Fritz und Ferdinand.
Da sprach der Fritz:"Nun gib mal acht,
was ich geträumt vergangne Nacht. –
"Ich stieg in einen schönen Wagen,
der war mit Gold beschlagen.
Zwei Englein spannten sich davor,
die zogen mich zum Himmelstor.
Gleich kamst du auch und wolltest mit
und sprängest auf den Kutschentritt,
jedoch ein Teufel schwarz und groß,
der nahm dich hinten bei der Hos'
und hat dich in die Höll' getragen.
Es war sehr lustig, muß ich sagen." –
So hübsch nun dieses Traumgesicht,
dem Ferdinand gefiel es nicht.
Schlapp! schlug er Fritzen an das Ohr,
daß er die Zippelmütz' verlor.
Der Fritz, der dies verdrießlich fand,
haut wiederum den Ferdinand;
und jetzt entsteht ein Handgemenge,
sehr schmerzlich und von großer Länge. –
So geht durch wesenlose Träume
gar oft die Freundschaft aus dem Leime.

Wilhelm Busch

 

Freundschaft

 


Mögen Segenswünsche dich stets begleiten

Eine sanfte Brise umfange dich,
wenn der Sommer kommt,
ein wärmendes Feuer sei dir nicht fern,
wenn der Winter naht.
Und immer stütze dich
das aufmunternde Lächeln eines Freundes.

Altirischer Segenswunsch

 

Der Mensch hat nichts so eigen,
So wohl steht nichts ihm an,
Als daß er Treu erzeigen
Und Freundschaft halten kann,
Wann er mit seinesgleichen
Soll treten in ein Band:
Verspricht, sich nicht zu weichen
Mit Herzen, Mund und Hand.

Simon Dach

 


Freundschaft reift in langen Jahren,
In Gefahren
Gibt sie ihre sich'ren Proben;
Aber loben soll man auch, die in Stunden
Rasch empfunden,
In beglückten Umgangstagen
Angetragen.
Während schöner Sommerwochen
Ausgesprochen,
Sich als gut für's ganze Leben
Kundgegeben.

David Friedrich Strauß

 

Kennst du die Eiche, die kein Wetter bricht?
Kennst du die Palme in der Wüste nicht?
Kennst du der Mythe zartes Immergrün?
Kennst du auch wohl den treuen Rosmarin?
Sieh, Eiche, Palme, Myrt' und Totenkrone,
das ist der treue Freund dem Erdensohne.

Christian Friedrich von Blankenburg

 


An das Trinkglas eines verstorbenen Freundes

Du herrlich Glas, nun stehst du leer,
Glas, das er oft mit Lust gehoben;
Die Spinne hat rings um dich her
Indes den düstern Flor gewoben.

Jetzt sollst du mir gefüllet sein
Mondhell mit Gold der deutschen Reben!
In deiner Tiefe heil'gen Schein
Schau ich hinab mit frommem Beben.

Was ich erschau' in deinem Grund
Ist nicht Gewöhnlichen zu nennen.
Doch wird mir klar zu dieser Stund',
Wie nichts den Freund vom Freund kann trennen.

Auf diesen Glauben, Glas so hold!
Trink' ich dich aus mit hohem Mute.
Klar spiegelt sich der Sterne Gold,
Pokal, in deinem teuren Blute!

Still geht der Mond das Tal entlang,
Ernst tönt die mitternächt'ge Stunde.
Leer steht das Glas, Der heil'ge Klang
Tönt nach in dem kristallnen Grunde.

Justinus Kerner

 

Durch all die Jahre, die ich durchgelebt,
Hab eines Bruders Freundschaft ich erstrebt,
Der unsern Freundschaftsbund nicht jählings ende,
Sein Wort nicht bräche, noch sich von mir wende.
Bei wieviel Freunden mußt' ich dann erfahren,
Daß alles eher sie als Brüder waren!
Und ach, wie oft, wie oft ersetzte wieder
Ich solche Brüder dann durch neue Brüder!
Zuletzt, als Jahr für Jahr mir so vergangen,
Sprach ich zu mir: Umsonst ist dein Verlangen.
Bei Gott, so lang noch dauert hier mein Leben,
Will ich nicht mehr nach Menschenfreundschaft streben.

Omar Khayyâm

 

 

Gold hat keinen noch beglückt;
Falscher Ehre Lorbeer drückt;
Wer nach Wissen hascht, greift Sand,
Wissenschaft ist oft nur Tand;
Aber Freunde gab uns Gott,
Ohne sie ist Leben Tod.

Friedrich Leopold Graf zu Stolberg-Stolberg

 


Wahre Freundschaft

Wahre Freundschaft soll nicht wanken,
wenn man gleich entfernet ist,
weil man doch in den Gedanken,
die entfernte Freundschaft küßt.

Keine Ader soll mir schlagen,
wo ich nicht an dich gedacht,
für dich werde ich Liebe tragen
bis in tiefe Todesnacht.

Wenn der Mühlstein trägt einst Reben
und daraus fließt süßer Wein,
wenn der Tod mir nimmt das Leben,
hör ich auf, dein Freund zu sein.

Volksweise

 

 

Freundschaft

Wenn Menschen sich aus innrem Werte kennen,
So können sie sich freudig Freunde nennen,
Das Leben ist den Menschen so bekannter,
Sie finden es im Geist interessanter.

Der hohe Geist ist nicht der Freundschaft ferne,
Die Menschen sind den Harmonien gerne
Und der Vertrautheit hold, daß sie der Bildung leben,
Auch dieses ist der Menschheit so gegeben.

Johann Christian Friedrich Hölderlin

 

 

 

O wein' dich aus an meiner Brust,
Laß in dein Herz mich seh'n;
Und wärst du noch so schuldbewußt:
Ich kann dich ganz versteh'n.

Denn nennen kannst du mir kein Leid,
Das nicht schon traf auch mich;
Auch mir droht noch Vergangenheit –
Und schuldig war auch ich.

Auch meine Wange hat gebrannt
In der Beschämung Rot –
Verloren hab' ich mich genannt
Und mir erhofft den Tod.

D'rum wein' dich aus an meiner Brust,
Ich kann dich ganz versteh'n,
Und wärst du noch so schuldbewußt:
Getröstet wirst du geh'n!

Ferdinand von Saar

 

 


Die Freundschaft

Freund! genügsam ist der Wesenlenker –
Schämen sich kleinmeisterische Denker,
Die so ängstlich nach Gesetzen spähn –
Geisterreich und Körperweltgewühle
Wälzet eines Rades Schwung zum Ziele;
Hier sah es mein Newton gehn.

Sphären lehrt es, Sklaven eines Zaumes,
Um das Herz des grossen Weltenraumes
Labyrinthenbahnen ziehn –
Geister in umarmenden Systemen
Nach der grossen Geistersonne strömen,
Wie zum Meere Bäche fliehn.

War's nicht dies allmächtige Getriebe,
Das zum ew'gen Jubelbund der Liebe
Unsre Herzen an einander zwang?
Raphael, an deinem Arm – o Wonne!
Wag' auch ich zur grossen Geistersonne
Freudigmuthig den Vollendungsgang.

Glücklich! glücklich! dich hab' ich gefunden,
Hab' aus Millionen dich umwunden,
Und aus Millionen mein bist du –
Lass das Chaos diese Welt umrütteln,
Durcheinander die Atomen schütteln;
Ewig fliehn sich unsre Herzen zu.

Muss ich nicht aus deinen Flammenaugen
Meiner Wollust Wiederstrahlen saugen?
Nur in dir bestaun' ich mich –
Schöner malt sich mir die schöne Erde,
Heller spiegelt in des Freunds Geberde
Reizender der Himmel sich.

Schwermuth wirft die bangen Thränenlasten,
Süsser von des Leidens Sturm zu rasten,
In der Liebe Busen ab;
Sucht nicht selbst das folternde Entzücken
In des Freunds beredten Strahlenblicken
Ungeduldig ein wollüst' ges Grab?

Stünd' im All der Schöpfung ich alleine,
Seelen träumt' ich in die Felsensteine,
Und umarmend küsst' ich sie –
Meine Klagen stöhnt' ich in die Lüfte,
Freute mich, antworteten die Klüfte,
Thor genug! der süssen Sympathie.

Todte Gruppen sind wir – wenn wir hassen,
Götter – wenn wir liebend uns umfassen!
Lechzen nach dem süssen Fesselzwang -
Aufwärts durch die tausendfachen Stufen
Zahlenloser Geister, die nicht schufen,
Waltet göttlich dieser Drang.

Arm in Arme, höher stets und höher,
Vom Mongolen bis zum griech'schen Seher,
Der sich an den letzten Seraph reiht,
Wallen wir, einmüth'gen Ringeltanzes,
Bis sich dort im Meer des ew'gen Glanzes
Sterbend untertauchen Mass und Zeit. –

Freundlos war der grosse Weltenmeister,
Fühlte Mangel - darum schuf er Geister,
Sel'ge Spiegel seiner Seligkeit!
Fand das höchste Wesen schon kein gleiches,
Aus dem Kelch des ganzen Seelenreiches
Schäumt ihm – die Unendlichkeit.

Johann Christoph Friedrich von Schiller

 


Soviel Herzen such' zu fesseln,
wie du irgend fesseln kannst,
glücklich du, wenn du auf Erden
ein treuen Freund gewannst!
Minder wert sind hundert Kaabas,
als ein Herz von guter Art.
Drum nach einem Herzen richte,
statt nach Mekka, deine Fahrt.

Omar Khayyâm

 

 

Wenn sich einmal zwei Fremde streiten,
So hat's just nicht viel zu bedeuten;
Weil Kein's des Ander'n Schwächen kennt,
Ficht auch wohl keiner excellent.

Jedoch wenn sich nur zwei Freunde fassen,
So gibt's ein unversöhnlich Hassen:
Denn Jeder weiß des Ander'n Fehle,
Und trifft ihn tödlich in die Seele.

Verfasser unbekannt

 

 

 


Treue Freunde zu gewinnen –
Leider ziemlich schwer!
Treue Freunde zu behalten –
Leider noch weit mehr!
Niemanden zum Feinde haben –
Wirklich großes Glück!
Feinde sich zu Freunden machen –
Bravo! Meisterstück!

Verfasser unbekannt

 

 

 

Das war eine schöne Zeit, als ich
In die Urne des Glücks noch griff:
Da waren Freunde so viel um mich,
Wie Ratten auf einem Schiff.

Nun werden die Freunde weniger stets,
Weil Stürme drohen und Riff.
Dem Schiffbruch seh' ich, entgegen geht's:
Die Ratten verlassen das Schiff.

Verfasser unbekannt

 

 

Mit fremden Menschen nimmt man sich zusammen,
Da merkt man auf, da sucht man seinen Zweck
In ihrer Gunst, damit sie nutzen sollen.
Allein bei Freunden läßt man frei sich gehn,
Man ruht in ihrer Liebe, man erlaubt
Sich eine Laune; ungezähmter wirkt
Die Leidenschaft, und so verletzen wir
Am ersten die, die wir am zartsten lieben.

Johann Wolfgang von Goethe

 

 

 

Dem fremden Freunde

Es war Dein Wort ein blitzend Schwert,
Das für mich stritt;
Es war Dein Wort der Seele Schrei,
Die für mich litt.

Die herbe Thräne war Dein Wort,
Geweint um mich;
Ein guter Engel war Dein Wort,
Der nimmer wich!

Dein Wort, es gab mir neuen Muth,
Es drang befreiend stolz zu mir;
Du Fremder, sieh mein schlichtes Wort,
Es dankt zu tausend Malen Dir!

Ada Christen

 

Freundschaft macht die Menschen
Gottes Engeln gleich,
Macht sie froh im Kummer,
In der Armut reich;
Und an ihrem Stabe
Wandeln wir zum Grabe,
Sprechen zu dem Freunde: dort
Dauert Freundschaft fort.

Christian Friedrich Daniel Schubart

 


Wer kann in guten Tagen,
So lang das Glücke mild,
Und es zu Tische gilt,
Von rechter Liebe sagen?
Ob einer ist mein Freund,
Und ob er's treulich meint,
Wird daran nicht erkennet,
Wenn er mich Bruder nennet.
Wenn's Glück einst von mir weichet,
Wer's dann am besten meint,
Und mir die Hände reichet,
Der ist mein rechter Freund.

Adam Olearius

 

 

Da es mir wohl ging auf Erden,
Wollten alle meine Freunde werden.
Da kam ich in Not,
Waren alle Freunde tot.
Gott behüt uns vor Regen und Wind
Und vor Gesellen, die langweilig sind.
Wer guter Meinung kommt herein,
Der soll mir lieb und willkomm sein.
Wer aber anders kommt herfür,
Den hab ich lieber vor der Tür.
Sag niemals leise, niemals laut
Was dir ein Freund hat anvertraut!

Alter Spruch

 

 

 

Das Glück der Freundschaft.

Freundschaft darf empfindungsvollen Seelen
Niemals in des Lebens Stürmen fehlen;
Nur wenn uns ihr holder Engel lacht,
Schwindet jeder sorgenvolle Kummer;
Sie nur reißt uns aus des Geistes Schlummer,
Der zur Tugend neugestärkt erwacht.

Ganz vom Weltgetümmel losgebunden
Sind der Freundschaft wonnevolle Stunden:
Still und heiter strahlet unser Glück.
Wer an ihrer Hand durchs Leben wandelt,
Den entflammt sie, dass er edel handelt;
Ruhig blickt er in sein Herz zurück.

Doch wem blühen ihre süßen Freuden?
Wen erquickt sie auch im größten Leiden?
Den, der ihren Wert niemals verkennt.
Nicht den falschen, lasterhaften Seelen,
Die aus Eigennutz sich Freunde wählen,
Blüht die Blume, die man Freundschaft nennt.

Nur wenn Gleichgesinnte sich verbinden,
Die der Tugend hohen Wer empfinden,
Lächelt mild die holde Trösterin.
Sie vereinigt durch das Band das Wahre,
Denn an ihrem heiligen Altare
Fordert sie den unbefleckten Sinn.

Darin liegt das höchste Glück des Lebens.
Ach so viele suchen es vergebens!
Ohne Tugend blüht auch Freundschaft nicht.
O mit welcher unbegrenzten Milde
Führt sie uns in göttliche Gefilde!
Selbst des Kummers Nacht erhellt ihr Licht!

Luise Egloff

 

 

 

Den frohen Mann zum Freunde nimm;
Nicht einen, dem in Gram und Grimm
Der Boden unter'n Füßen brennt,
Wenn andre tanzen; der im Leben
Mit keinem Menschen »Du« sich nennt,
Dem man sich scheut, die Hand zu geben!
Nimm einen, der dir seinen Rat
Nicht aufdrängt, aber Wort und Tat
Am Zügel hat in Ernst und Scherzen,
Der zwar die Weisheit nicht in Pacht,
Jedoch, wenn's gilt, aus seinem Herzen
Auch keine Mördergrube macht.

Julius Wolff

 

 

 

Dienstfertig ist nur der zu nennen,
Des Absicht wir für rein erkennen;
Der nicht verlangt, daß man ihn ehrt,
Und weder Dank noch Lohn für seinen Dienst begehrt.
Doch wer vor Eifer scheint zu brennen,
Und dennoch auf geheimer Spur
Sucht irgendeine Lust zu stillen,
Und seinen Beutel anzufüllen,
Der dient – sich selber nur.

Wilhelm Fremerey

 

 

 

Frauen von Freunden

Frauen von Freunden zerstören die
Freundschaft.
Schüchtern erst besetzen sie einen Teil des
Freundes,
nisten sich in ihm ein,
warten,
beobachten,
und nehmen scheinbar teil am Freundesbund.

Dies Stück des Freundes hat uns nie gehört –
wir merken nichts.
Aber bald ändert sich das:
Sie nehmen einen Hausflügel nach dem andern,
dringen tiefer ein,
haben bald den ganzen Freund.

Der ist verändert; es ist, als schäme er sich seiner
Freundschaft.
So, wie er sich früher der Liebe vor uns
geschämt hat,
schämt er sich jetzt der Freundschaft vor ihr.
Er gehört uns nicht mehr.
Sie steht nicht zwischen uns – sie hat ihn
weggezogen.

Er ist nicht mehr unser Freund:
Er ist ihr Mann.

Eine leise Verletzlichkeit bleibt übrig.
Traurig blicken wir ihm nach.

Die im Bett behält immer recht.

Kurt Tucholsky

 

 

 

Sieh, ich war so oft allein

Sieh, ich war so oft allein,
Und ich lernte gleich den Zweigen,
Gleich dem Stein,
Träume wachen, Worte schweigen.

Denke, daß ich Dichter bin.
Eure Sonne ist nicht meine.
Nimm als Freund mich hin,
Wenn ich dir auch fremd erscheine.

Laß mich lauschen aus der Ferne,
Wenn ihr tanzend schwebt,
Daß auch ich das Schwere lerne:
Wie man narrenglücklich lebt.

Joachim Ringelnatz

 

 


Die toten Freunde

Das Boot stößt ab von den Leuchten des Gestad's.
Durch rollende Wellen dreht sich der Schwung des Rads.
Schwarz qualmt des Rohres Rauch ... Heut hab ich schlecht,
das heißt mit lauter jungem Volke gezecht. –

Du, der gestürzt ist mit zerschossener Stirn
und du, verschwunden auf einem Gletscherfirn,
und du, verlodert wie schwüler Blitzesschein,
meine toten Freunde, saget, gedenkt ihr mein?

Wogen zischen um Bott und Räderschlag.
Dazwischen jubelt ein dumpfes Zechgelag.
In den Fluten braust ein sturmgedämpfter Chor.
Becher läuten aus tiefer Nacht empor.

Conrad Ferdinand Meyer

 

 

 

Denke der eig'nen Fehler und Schwächen,
Wenn du dem Freund, dem Irrenden, grollst!
Schwanke nicht erst, ob die Unbill zu rächen,
Ob du in Milde vergeben sie sollst.

Was dir zum Trost und zur Freude gegeben,
Selber verkehrend in Unheil und Fluch,
Bringest du sonst in dein innerstes Leben,
Störrischen Sinnes, den qualvollen Bruch.

Betty Paoli

 

 

 

Du grollest dem Freunde und wendest
Das Antlitz trüb von ihm fort.
Was trat doch wohl zwischen euch beide?
Ein Nichts – ein harmloses Wort,
Das arglos den Lippen entfallen!
Er ahnet nicht einmal den Grund,
Und darum droht zu zerreißen
Ein alter, heiliger Bund!
So schaffst du immer dir Sorge und Schmerz,
Du stolzes, du eitles Menschenherz! –

Johann Dietrich Lüttringhaus

 

 

 

Wenn eines Menschen Seele du gewonnen
Und in sein Herz hast tief hineingeschaut
Und ihn befunden einen klaren Bronnen,
In dessen reiner Flut der Himmel blaut:

Laß deine Zuversicht dann nichts dir rauben,
Und trage lieber der Enttäuschung Schmerz,
Als daß du grundlos ihm entziehst den Glauben –
Kein größer Glück als ein vertrauend Herz!

Laß adlermutig deine Blicke schweifen
Bis dicht an die Unmöglichkeit heran:
Kannst du des Freundes Thun nicht mehr begreifen,
So fängt der Freundschaft frommer Glaube an.

Felix Dahn

 


Freundschaft und Tugend sind ewig verkettet,
Heben die Seelen zum Himmel hinan,
Unter Entzücken, auf Rosen gebettet,
Lächelt der Weise der zornigen Bahn.
Freundschaft ist Felsen, von keinem erschüttert,
Ist in dem Dunkel des Grabes ein Licht.
Welten versinken, nur Freundschaft erzittert
Selbst vor dem Schleier der Ewigkeit nicht.

Unbekannt

 

 

 

Wahre Freunde nennt man solche,
Die vom Bösen fern uns halten,
Aber mit bedächt'gem Sinne
Für des Freundes Vorteil walten,
Das Geheimnis treu verbergen,
Nur das Gute laut verkünden,
Wenn es Zeit ist, gerne helfen
Und im Unglück nicht verschwinden.

Bhartrihari

 

 

 

So zu mir sprach Abdallah, der Kurde:
"Wisse du, warum dein Freund ich wurde.

Weil du hörst und schweigst, wenn Andre sprechen,
Weil du singest, wenn die Andern zechen.

Sahst du Moslems im Gebete liegen,
Hast du, Franke, ehrfurchtsvoll geschwiegen.

Schmerzlich krank hast du nur Nachts geklaget,
Morgens stiegst zu Pferd du unverzaget.

Nie das Gestern hört ich dich beklagen,
Doch du redest schön von künft'gen Tagen."

Moritz Hartmann

 

 

O du, mein frühster Freund, vor allen wert,
Trost meines Herzens, dem kein Trost mehr lacht!
Wenn nun mein Tag auf ewig dich entbehrt,
So gönne mir dein Bild im Traum der Nacht!
Und wenn, zu neuem Leben dann entfacht,
Der Morgen die geheimen Tränen weckt,
Dann hält an deiner Gruft die Sehnsucht Wacht,
Bis Staub auch meinen armen Staub bedeckt
Und zum Beweinen still der Weinende sich streckt.

Lord George Gordon Noel Byron

 

 

Miteinander plaudern und lachen,
sich Gefälligkeiten erweisen,
gemeinsam schöne Bücher lesen,
einander mal necken,
mal Achtung bezeugen,
gelegentlich auch
Meinungsverschiedenheiten austragen,
aber ohne Haß.
Durch den selten vorkommenden Streit
die sonst meist
bestehende Übereinstimmung würzen;
einander belehren und voneinander lernen;
Das ist es, was man an Freunden liebt.

Augustinus Aurelius

 

 

 

Von der Freundschaft

Wer keinen Freund gefunden,
Und immer stand allein,
Der hat auch nie empfunden recht
Das Glück, ein Mensch zu sein.

Wer keinen Freund gefunden,
Der ist vielleicht ein – Christ;
Der ist vielleicht ein Schurke traun!
Wenn er kein Esel ist.

Vielleicht ein Unglücksvogel
Mag der Verkannte sein,
Doch der ist auch der Einzige,
Dem ich es kann verzeihn.

Ludwig Eichrodt

 

Mit jedem Schlüssel kannst du nicht
Ein jedes Kästchen erschließen:
Du wirst auch nicht mit jedem Wicht
Dich zurecht zu finden wissen. –
Dem Einen hast du in Jahren zehn
Kein Wort zu sagen gefunden;
Und mit dem Andern, kaum geseh'n,
Verlebst du die froh'sten Stunden. –
Und solchen fasse ganz und gar,
Euch Beiden zu Nutz und Frommen;
Weil endlich der rechte Schlüssel war
Zum rechten Kästchen gekommen.

Verfasser unbekannt

 


Zeitversprengte Freunde

Wir Freunde auf einen Faden gereiht,
es kam nicht so, wie wir wollten,
denn unsere Kette riß mit der Zeit,
und wir rollten.

Von allen Winden zerstreut und gehetzt,
verschlissen und verwittert,
meinten wir schon: wir würden zuletzt
sterben total verbittert.

Doch unser Trauern lernte Geduld
und lächelt nun ruhig ins Neue.
Wir glauben an unsere eigene Schuld
und an die Vergeltung von Treue.

Joachim Ringelnatz

 

Freundschaft

Willst du einen Freund gewinnen?
Keinen hohen oder Reichen
Wähle dir! Die Liebe wohnet
Immer nur bei Deinesgleichen.
Neben einer Last von Centnern
Kann man nicht ein Quintlein wägen,
Und was ist die kleine Trommel
Neben einer Pauke Schlägen?

Unbekannt

 

 

Falsch nenn ich den vor aller Welt,
Der sich dem Freunde freundlich stellt
Und ihn als Feind im Herzen haßt;
Das ist ein fürchterlicher Gast.
Denn er trägt alle Stunde
Den Honig im Munde
Mit Gift, das aus dem Stachel quillt,
Und wie vom Stich die Beule schwillt,
So schafft der gift'ge Neid ergrimmt,
Dem Freund, was er auch unternimmt,
Nur Schaden, da man sich nicht wahrt,
Ihm arglos alles offenbart.

Gottfried von Straßburg

 


Als ich noch jung, da war einsam mein Gang,
und ich irrte mich oft in der Straße;
Nun acht' ich mich reich, da den Andern ich fand:
der Mann ist die Freude des Mannes.
Der Baum geht ein auf ödem Stein,
ihm wächst nicht Blatt noch Borke;
So kommts mit dem Manne, den keiner liebt:
was soll er länger leben?

Edda, Hâvamâl, Loddfafnirlied

 

 

 

Das Lied von der Freundschaft

Freunde sind: die deine Tür belauern,
Jedem Glücke Feind, das dir geschenkt ist,
Neidisch, wenn dein Schifflein leicht gelenkt ist,
Und erlöst, wenn deine Augen trauern.

Freunde sind: in deinen feigen Stunden
Schale Zuflucht und verlogne Rettung,
Freunde sind: in Schuld und Scham Verkettung
Und ein weher Weg zu Wut und Wunden.

Freunde sind: die dir das Letzte rauben,
Daß du nackt dem Lachen preisgegeben,
Nichts mehr willst, als ohne Freunde leben
Mit der Frau, der deine Nerven glauben.

Max Herrmann-Neiße

 

 

 

Und als ich zu St. Petern kam,
Er meinen Körper in Augenschein nahm:
"Sie schlugen auf dich wohl blind und toll,
Wie bist du Armer narbenvoll!"

"Ach ja, das taten die Feinde mein,
Es sollte wohl nicht anders sein!"
Als Petrus nahm meine Seele heraus,
Wie zog er erst da die Brauen kraus.

Nun, keine Seele sah ich je,
Wie deine ich voll Wunden seh!"
"Herr Peter! Das haben die getan,
Die ich sah als meine Freunde an!"

Alfred Friedmann

 

 

 

 

An Neuffer
Im März 1794

Noch kehrt in mich der süße Frühling wieder,
Noch altert nicht mein kindischfröhlich Herz,
Noch rinnt vom Auge mir der Tau der Liebe nieder
Noch lebt in mir der Hoffnung Lust und Schmerz.

Noch tröstet mich mit süßer Augenweide
Der blaue Himmel und die grüne Flur,
Mir reicht die Göttliche den Taumelkelch der Freude,
Die jugendliche freundliche Natur.

Getrost! es ist der Schmerzen wert, dies Leben,
So lang uns Armen Gottes Sonne scheint,
Und Bilder beßrer Zeit um unsre Seele schweben,
Und ach! mit uns ein freundlich Auge weint.

Johann Christian Friedrich Hölderlin

 

 

 

Es welket der Erde Kraft, des Leibes Stärke,
Die Treue stirbt, Untreue wuchert auf;
Unwandelbar ist auch die Freundschaft nicht,
Nicht zwischen Männern und zwischen Völkern,
Was heute gefällt, ist morgen widerwärtig;
Der eine preiset, was der andere tadelt.
Es kommt der Tag, wo fest verschlungne Hände
Um leichten Vorwand auseinander fahren
Und nach dem Schwerte greifen.

Sophokles

 

 

 

 

Erwäge Alles mit dem Freund; doch weil
Auf jedem Zweige dir nicht Freunde wachsen,
Nicht jeder Freund gesund am Markte ist,
Erwäge deinen Freund erst mit dir selbst;
Steh still und forsche, prüfe, rasch nicht wählend,
Mit Argwohn nicht auf den Gewählten blickend;
Entschlossen im Entschluß: erkennend, eh'
Du Freund dich nennst, dann trauernd bis zum Tode.
Das ehrt den Freund, doch dich ehrt es noch mehr.

Edward Young

 

 

 

Ein Herz und eine Seele sei
Mit seinem Freund ein Freund:
Liebreich, wahrhaft, mild und frei,
In Fern und Tod vereint!
Euch bringt, wer früher starb, im Glanz
Dem Brudergeist den Palmenkranz!

Johann Heinrich Voß

 

 

 

 

Unter Freunden
Ein Nachspiel

1
Schön ist's, miteinander schweigen,
Schöner, miteinander lachen, –
Unter seidenem Himmels-Tuche
Hingelehnt zu Moos und Buche
Lieblich laut mit Freunden lachen
Und sich weiße Zähne zeigen.

Macht' ich's gut, so wolln wir schweigen;
Macht' ich's schlimm –, so wolln wir lachen
Und es immer schlimmer machen,
Schlimmer machen, schlimmer lachen,
Bis wir in die Grube steigen.

Freunde! Ja! So solls geschehn?
Amen! Und auf Wiedersehn!

2
Kein Entschuldgen! Kein Verzeihen!
Gönnt ihr Frohen, Herzens-Freien
Diesem unvernünftgen Buche
Ohr und Herz und Unterkunft!
Glaubt mir, Freunde, nicht zum Fluche
Ward mir meine Unvernunft!

Was ich finde, was ich suche –,
Stand das je in einem Buche?
Ehrt in mir die Narren-Zunft!
Lernt aus diesem Narrenbuche,
Wie Vernunft kommt – »zur Vernunft«!

Also, Freunde, solls geschehn? –
Amen! Und auf Wiedersehn!

Friedrich Wilhelm Nietzsche

 

 

 

 

 

Freunde

I.

Freunde, die mein lautes Wohl getrunken
Und mich stießen, wenn ich hingesunken;
Freunde, die mein Herz in Händen trugen
Und mich hinterrücks mit Ruten schlugen;
Freunde, die mir breiten Lorbeer brachten
Und im Stillen meinen Dank verlachten;
Freunde, die mein bißchen Brot genossen
Und vom eig'nen Mahl mich ausgeschlossen …
Ach, wenn ich die schlimme Kette sehe,
Weiß mein armes Herz nicht aus vor Wehe.

Niemals mocht' ich meinen Degen zücken
Nach des Feindes unbewehrtem Rücken;
Und wo Haß gedieh und Sünde blühte,
Schont' ich ihrer noch mit Menschengüte;
Was in eig'ner Seele schlecht geblieben,
Geißle ich mir aus mit blut'gen Hieben – – –
Aber wenn mich jene Wunden schmerzen,
Die von Freundeshand und Freundesherzen,
Möcht' ich flieh'n und mir ein Grab bereiten
Fern vom Jammer ihrer Sterblichkeiten!

Ludwig Jacobowski

 

 

 

 

Die unbekannten Freunde

Der Dichter wandelt einsam durch das Leben!
So ist es und so war's zu allen Zeiten.
Entsagung nur darf ihm zur Seite schreiten,
Wenn holde Bande sich um and're weben!

Doch ein Ersatz ist ihm dafür gegeben:
Daß Herzen ihm, in unbekannten Weiten,
Entgegen schlagen und wie Harfensaiten
Vom Hauche seiner Lieder sanft erbeben.

Und wurden solche Freunde dir zu teil,
Betrachte sie als höchste Schicksalsspenden,
Die für kein flücht'ges Gut der Erde feil!

Zweifach gesegnet ist, der sie gewann!
Denn in dem stillen Gruß, den sie ihm senden,
Fängt auch bereits die Nachwelt für ihn an!

Betty Paoli

 

 

 

 

Vor mir liegen deine Zeilen,
Sind nicht Worte, Schriften nicht,
Pfeile, die verwundend heilen,
Freundesaugen, treu und schlicht.

Niemals konnte so mich rühren
Noch der Liebsten Angesicht,
Wenn uns Augen süß verführen,
Und die Welt voll Glanz und Licht:

Als in Freundesaugen lesen
Meiner eignen Seele Wort,
Fester Treue männlich Wesen,
In Betrübnis Trost und Hort.

So verschlingen in Gedanken
Sich zwei Stämme wundertreu,
Andre dran sich mutig ranken
Kron an Krone immer neu.

Prächt'ger Wald, wo's kühl zu wohnen,
Stille wachsend Baum an Baum,
Mit den brüderlichen Kronen
Rauschend in dem Himmelsraum!

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff

 

 

 


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